Ausbildung & Info

Ausbildung Grafik & Malerei



1991 - 1994

  • Universität zu Köln


1988 - 1993

  • Privatunterricht bei dem Kölner Maler und Bidhauer Robert Pinsdorf






Eröffnungsrede:  Frau Dr. Kathrin Elvers-Svamberk, Kunsthistorikerin


zu


COINCIDENCE I/2003, IGNIS, Köln


Beata Dziekonska-Jedwabny, Polen, Keramik; Johanna Faßbender, Deutschland, Grafik, Malerei; Alexander Fleischner, Polen, Strokegraphs; Platon Silvestrov, Ukraine, Bilder; Christa Manz-Dewald, Deutschland, Aquarell; Maxim Wakultschik, Weißrussland, Fotos, Wandobjekte


Begrüßung: Richard Blömer MdL, Köln


 

Johanna Fassbender aus Köln zeigt verschiedene Zeichnungen aus der Werkgruppe der „blinden Akte“. Blind nennt sie diese Darstellungen, weil der Blick während des Zeichnens niemals das Papier berührt, sondern vielmehr ununterbrochen beim Modell bleibt. So geht es nicht um ein „naturgetreues“ kontrolliertes Abbilden, sondern um die Transformation des Gesehenen in eine höchst subjektive bildliche Entsprechung, um die Übertragung des Wahrgenommenen in einen umfassenderen Existenzzusammenhang. Die Spuren der Ölkreide oder des Kohlestifts sind nicht in erster Linie gegenstandsbezeichnend, sondern vor allen Dingen ausdrucksvolle, vom Betrachter nachzuvollziehende Niederschläge ihrer Empfindungsbewegungen im Schaffensakt. Jede Zeichnung gleicht so einem Experiment mit ungewissem Ausgang.


In den Aktdarstellungen mit ihren suggestiven Rhythmen und expressiv deformierten Körperproportionen verleiht die Künstlerin einem meditativ gewonnenem Begriff vom Menschen sichtbare Existenz. Ein archaischer überzeitlicher Charakter, eine Erinnerung an prähistorische Höhlenzeichnungen wachsen der Darstellung zu. Zuweilen scheint es, als würde die Künstlerin die abstrakte Linie (ähnlich wie einstmals Paul Klee)  in Parallele zum lebendigen Individuum setzen. Die weitschweifig schwingenden Linien zeigen Formen, die sich auch als Bewegungsspuren und Wegmarken des Menschen, seines Körpers ebenso wie seiner Seele oder seines Geistes begreifen lassen.


Johanna Fassbender problematisiert mit dieser Vorgehensweise des „Blind-Zeichnens“ einer Person auch die Ambivalenz ihrer Realität und bildlichen Repräsentierbarkeit: Der Figur als von außen betrachtbares Körperobjekt, als Träger von Ausdrucksgehalten steht sinnfällig der „mediale“ Leib mit seinen subjektiven Erfahrungskriterien und innerlich gespürten Regungen gegenüber.


Weder „Mensch“ noch „Welt“ sind unabhängig voneinander erfahrbar; erst in und aufgrund der unabgeschlossenen Begegnung beider, im zirkelhaften und unaufhörlichen Austausch kann sich Sinn konstituieren.


In ihren Ölgemälden nähert sich die Künstlerin der letztmöglichen Bildgestalt in tastenden Schritten, im zumeist mehrfach wieder aufgenommenen Arbeitsprozess. Das kompositionelle Schema liegt nicht im Vornherein fest, sondern stellt sich erst mit dem Vollzug des Malens ein. In den fast brachialen Gesten des Farbauftrags und Farbabkratzens manifestiert sich ein unmissverständlich körperlich bestimmter Schaffensdrang. Den Eindruck von spannungsgeladener Bewegung befördert auch die von Johanna Fassbender gewählte Palette. Oft steigert ein unterschiedlich intensives Rot als prominenteste Buntfarbe die expressive Wucht des Formgefüges. Ebenso wie der gesamte Gestaltungsvorgang eine eigene, unberechenbare Dynamik gewinnt, verselbstständigt sich der sinnlich-haptische Reiz der Farbsubstanz.



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